Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Dorfpolitik auf der Weltbühne

Der beleidigte Mäzen


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Dorfpolitik auf Seite Eins der Nachrichten? Kaum ernst zu nehmen, was dort steht: Sämtliche Zahlungen an die UNESCO wollen die USA in Zukunft unterlassen, lauten die Schlagzeilen. Zuvor hatten sie mit diesem Schritt gedroht, würde der Mitgliedschaftsantrag Palästinas tatsächlich angenommen.


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Fotograf: Uli
 (© Eckdose)

Dorfpolitik auf Seite Eins der Nachrichten? Kaum ernst zu nehmen, was dort steht: Sämtliche Zahlungen an die UNESCO wollen die USA in Zukunft unterlassen, lauten die Schlagzeilen. Zuvor hatten sie mit diesem Schritt gedroht, würde der Mitgliedschaftsantrag Palästinas tatsächlich angenommen.

Schwer nachvollziehbar

Laut klingt das Empören, sowohl von Seiten der US-Amerikaner und Israels als auch aus der Medienwelt. Nicht die Aufnahme Palästinas wird als schlimm dargestellt. Das Schwergewicht in den Berichten liegt deutlich darauf, dass hier ein Mäzen der Kulturorganisation nichts mehr zahlen will, weil er offensichtlich beleidigt ist. Die Begründung, warum „man“ – unter anderem auch Deutschland – sich gegen eine internationale Anerkennung Palästinas als Staat stellt, ist nur schwer nachvollziehbar: die „Dialogbemühungen“ würden in den Wind geschrieben, der Weg an den Verhandlungstisch abgebrochen. Wow, echt böse, was die palästinensischen Verantwortlichen da veranstalten! Grund genug für die Vereinigten Staaten, anderen Ländern und Orten kulturelle Förderung zu untersagen?

Die Zeiten, in denen der Leithammel eines Blocks den Mitgliedern der UNO erklären konnte, was böse ist und was nicht, scheinen vorüber. Hoffnung keimt auf, dass irgendwann auch Logik und Fairness Einzug in die „westliche“ Weltpolitik halten werden – sonst hätte Palästina diesen Schritt nicht gehen können. Um diese Gedanken etwas zu klären, ein kleines, fiktives Beispiel aus der Lokalpolitik.

Die Provinzposse

Da ist der Ex-Bürgermeister Günter Trautner, Inhaber des einst größten Industrieunternehmens des Ortes. Und da ist sein Freund und Parteigenosse Jakob Ammann, in Scheidung befindlich von seiner Frau Hildegard. Beide werden sich nicht einig über die Aufteilung ihres gemeinsamen Besitzes. Der Streit zieht sich schon seit Jahren hin. Insbesondere Jakob Ammann gibt nicht nach und sorgt dafür, dass die Verhandlungen stets zu Ungunsten seiner Noch-Frau ausgehen würden. Trautner, J. Ammann und H. Ammann sind alle zugleich Mitglieder des Denkmal- und Kulturvereins des Ortes. Der Verein erhält sein Geld aus Spenden, regelmäßig gibt auch Trautner einen nicht verächtlichen Batzen ab, den er von der Steuer absetzen kann.

Nun gab es jüngst eine Vorstandswahl im Denkmal- und Kulturverein. Mit 28 von 25 Stimmen wurde Hildegard Ammann zur Vorsitzenden gewählt, gegen den Willen und die Stimme von Großspender Günter Trautner. Schließlich hatte Trautner in der vorangehenden Diskussion deutlich gemacht, dass Hildegard Ammann nicht bereit sei, mit ihrem Mann zu reden, so sei sie auch nicht fähig, den Verein zu leiten. Diese offensichtliche Schützenhilfe für Jakob Ammann entzog sich jeder Wirklichkeit, wussten doch alle Mitglieder, dass Hildegard Ammann ihre bisherigen Aufgaben im Verein zuverlässig und gewissenhaft erledigte. Beleidigt nun verkündet Trautner, in Zukunft seine Spenden anderweitig zu vergeben. Der Verein muss seine Pläne kürzen; unter anderem konnte das historische Bibliotheksgebäude nicht vor dem Abriss gerettet werden.

Du bist Palästinenser

Zurück zur Weltpolitik: Die Forderungen und Begründungen sind Schwachsinn, die Folgen für Kulturpflege weltweit sind möglicherweise fatal. Die Beteiligung eines Staates oder staatenähnlichen Gebildes an einer Kulturorganisation hat mit einem politischen (Grenz-)Konflikt nichts zu tun. Indem Israel mit Rückendeckung von den USA den Palästinensern jede politische Aktivität verbietet, zugleich nur wenig positive Energie einbringt bezüglich einer Konfliktlösung, bleibt die palästinensische Gesellschaft eine gefangene. Das Gefühl der Ohnmacht, des Übersehen-Werdens, lähmt nicht nur Investitionen sondern jede kulturelle und soziale Eigenentwicklung. Keine Wirtschaftshilfe und „Verhandlungsbereitschaft“ vermag den Palästinensern das Gefühl geben, das eine Aufnahme wie die der UNESCO bringt. Es ist die Botschaft: Du bist Palästinenser, du bist Mensch, gleichberechtigt mit anderen Menschen in anderen Staaten.

Schwer nachvollziehbar

Laut klingt das Empören, sowohl von Seiten der US-Amerikaner und Israels als auch aus der Medienwelt. Nicht die Aufnahme Palästinas wird als schlimm dargestellt. Das Schwergewicht in den Berichten liegt deutlich darauf, dass hier ein Mäzen der Kulturorganisation nichts mehr zahlen will, weil er offensichtlich beleidigt ist. Die Begründung, warum „man“ – unter anderem auch Deutschland – sich gegen eine internationale Anerkennung Palästinas als Staat stellt, ist nur schwer nachvollziehbar: die „Dialogbemühungen“ würden in den Wind geschrieben, der Weg an den Verhandlungstisch abgebrochen. Wow, echt böse, was die palästinensischen Verantwortlichen da veranstalten! Grund genug für die Vereinigten Staaten, anderen Ländern und Orten kulturelle Förderung zu untersagen?

Die Zeiten, in denen der Leithammel eines Blocks den Mitgliedern der UNO erklären konnte, was böse ist und was nicht, scheinen vorüber. Hoffnung keimt auf, dass irgendwann auch Logik und Fairness Einzug in die „westliche“ Weltpolitik halten werden – sonst hätte Palästina diesen Schritt nicht gehen können. Um diese Gedanken etwas zu klären, ein kleines, fiktives Beispiel aus der Lokalpolitik.

Die Provinzposse

Da ist der Ex-Bürgermeister Günter Trautner, Inhaber des einst größten Industrieunternehmens des Ortes. Und da ist sein Freund und Parteigenosse Jakob Ammann, in Scheidung befindlich von seiner Frau Hildegard. Beide werden sich nicht einig über die Aufteilung ihres gemeinsamen Besitzes. Der Streit zieht sich schon seit Jahren hin. Insbesondere Jakob Ammann gibt nicht nach und sorgt dafür, dass die Verhandlungen stets zu Ungunsten seiner Noch-Frau ausgehen würden. Trautner, J. Ammann und H. Ammann sind alle zugleich Mitglieder des Denkmal- und Kulturvereins des Ortes. Der Verein erhält sein Geld aus Spenden, regelmäßig gibt auch Trautner einen nicht verächtlichen Batzen ab, den er von der Steuer absetzen kann.

Nun gab es jüngst eine Vorstandswahl im Denkmal- und Kulturverein. Mit 28 von 25 Stimmen wurde Hildegard Ammann zur Vorsitzenden gewählt, gegen den Willen und die Stimme von Großspender Günter Trautner. Schließlich hatte Trautner in der vorangehenden Diskussion deutlich gemacht, dass Hildegard Ammann nicht bereit sei, mit ihrem Mann zu reden, so sei sie auch nicht fähig, den Verein zu leiten. Diese offensichtliche Schützenhilfe für Jakob Ammann entzog sich jeder Wirklichkeit, wussten doch alle Mitglieder, dass Hildegard Ammann ihre bisherigen Aufgaben im Verein zuverlässig und gewissenhaft erledigte. Beleidigt nun verkündet Trautner, in Zukunft seine Spenden anderweitig zu vergeben. Der Verein muss seine Pläne kürzen; unter anderem konnte das historische Bibliotheksgebäude nicht vor dem Abriss gerettet werden.

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Uli in Gesellschaft am 01.11.2011 um 17.12 Uhr

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