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Der Blog des Goldseelchen-Verlags
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Weil sie einfach nur nervt.

Gesellschaftskritik


Bild: Uli
 (© Eckdose)

Ein bisschen selbstironisch, ein bisschen Gesellschaftskritikerkritisch, ein bisschen utopisch und ein bisschen weiterdenkend erzählt dieser Aufsatz den Prozess vom frischen Kritiker zum resignierten Konservativen. Live dabei war die Eckdose.

Stümper, überall Stümper. Sieht man sich um, glaubt man, von Nichtskönnern umgeben zu sein. Keiner weiß, wie man die Dinge richtig angeht. Keiner sieht, woran die Fehler eigentlich anknüpfen. Jeder schustert vor sich hin in seiner Ecke an seiner Sache, ohne das Problem als Ganzes wahrzunehmen. Schimpfen möchte man, mosern und motzen, die Stümper am Schlafittchen packen und kräftig schütteln. „Ey, Gesellschaft“, ruft die Stimme, „wach auf. Du machst doch alles nur falsch.“

Und irgendwann, nach allem Schimpfen, Aufregen, Mosern und Motzen, blickt man sich um und glaubt, nach wie vor von Nichtskönnern umgeben zu sein. Der einzige Unterschied zu vorher ist, dass man selbst um einige Nerven und Kraft ärmer, um einige unbeachtete Gesellschaftsstudien reicher ist. Von Neuem könnte man beginnen. Gebetsmühlenartig möge man doch seine Mitmenschen zum richtigen Leben und Tun ermahnen. Wachheit würde man fordern, Aufmerksamkeit und Gehör.

Und irgendwann wird auch der Kritiker, der in die zweite Runde gegangen war, resignieren und sich einigeln. Er wird sehen, dass dem Blick aufs Ganze niemand folgen möchte. Er wird sehen, dass sich andere in ihre Teilbereiche nicht hineinreden lassen möchten. So zieht er sich zurück auf seinen Anteil und arbeitet vor sich hin. Er hatte es ja versucht, gar zwei-drei Mal, gar unermüdlich. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Wunschbild. „Früher war alles besser“, wird er sagen und dabei an seine verlorenen Ideale denken.

Der engagierte Prozess des Einzelnen ist so hinreichend beschrieben. Hohe Motivation, ein frischer Blick von Außen, der sich beim Laufen gegen Laufende gehörig die Hacken abläuft, bis er sich eingelaufen hat. Der Gesellschaftskritiker ist jeder. Jeder steht, auch phasenweise wiederholt, an einer Stelle, wo er die Probleme und Fehler gleichsam von außen betrachten kann. So lange hat er den Blick darüber, bis er selbst aufgrund seiner Müdigkeit oder seiner Konzentration auf seinen Anteil diesen Blick nicht mehr wahrnehmen wird.

Ab da ist er erschöpft. Das selbe tuend, wie die anderen, wird er der Stachel im Auge dessen, der neu kommt. So lange, bis auch dieser den Prozess aus Veränderungswillen, Verlaufen und Verlieren durchlaufen hat. An dieser menschlichen oder gesellschaftlichen Eigenschaft kranken beide Zustände: Der Normalzustand der Masse wie auch der Zustand des Verändernwollens. Sie sind ungleich verteilt, falsch gestärkt. Würden sich die noch Kreativen zusammenschließen, sie könnten wirken und bewirken. Sie könnten ihre Ideen umsetzen.

Vielleicht aber ist dies der Schutz der Gesellschaft: Zu unterschiedlichen Zeitpunkten treten Menschen mit neuen Ideen zur Masse. Wenig wird umgesetzt, viel geht verloren oder wird verwaschen. Schleichend oder gar nicht kann sich so die Masse verändern. Kein Mensch hält alle Fäden in seiner Hand – es ist, schlichtweg, unmöglich, Gesellschaftskritik umzusetzen. So wird jeder weiter an seiner Baustelle bauen, vor seiner eigenen Türe kehren und dem Kritiker wie ein Stümper vorkommen. Gesellschaftskritik nervt. Sie schafft nichts.

Uli in Gesellschaft am 14.02.2010 um 14.31 Uhr

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